B-logbook: 21.09.2020: Leonard Cohen: The Unified Heart Touring Company

The splendid tour program booklet from Leonard Cohen’s world tour 2008 and my ticket for his Munich concert are treasured keepsakes for me. Memories are made of songs and things like this.

The great Leonard Cohen and I share the same date of birth, 21 September, not the year. Maybe that’s one reason why I always felt strongly connected to his poetry and prose, his songs and music. It surely is the reason that Leonard Cohen’s concert on 6 October 2008 at the Olympiahalle in Munich is very special for me. It was Leonard Cohen’s comeback tour, he and his brilliant musicians and singers were ace that night.

And above all the concert ticket was a birthday present for me from my wonderful wife and my marvelous daughters. One cannot ask for more.

B-Logbook: 17.09.2020: Wenn der erwachsene Nachwuchs Hallo sagt und zum Abschied winkt

Die Eltern jetzt allein zu Haus.

Time waits for no one, das sangen nicht nur die Rolling Stones. Auch Udo Jürgens mit seiner Tochter Jenny in Liebe ohne Leiden anno 1984: „Die Zeit ist um / Die uns verband / Ich weiß, dass du es fühlst (Udo) / So geh ich jetzt / Auch wenn du mich, noch beschützen willst (Jenny) / Dein Leuchtturm steht nun anderswo (Udo) / Und nicht mehr hier bei dir / Und auf dem Weg zum eignen Licht / Komm sag, was wünscht du mir (Jenny) / Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden / Und eine Hand, die deine hält (Udo)“.

Auch Abba wissen um diese Trennungswehmut. „(School) Bag in hand, she leaves home in the early morning / Waving goodbye with an absent-minded smile / I watch her go with a surge of that well-known sadness / And I have to sit down for a while”, singen Abba in der ans Herz gehenden Ballade Slipping Through My Fingers­, und Meryll Streep im ersten Mamma-Mia!-Film.

Und die Beatles singen in She’s Leaving Home auf Sgt. Peppers Pepper’s Lonely Hearts Club vom Abschied einer jungen Erwachsenen aus dem Elternhaus, kein wehmütiges Good-Bye in Güte und Liebe, sondern ein Ausbruch, eine Befreiung aus der elterlichen Einengung: „Wednesday morning at five o’clock / As the day begins / Silently closing her bedroom door / Leaving the note that she hoped  would say more / She goes downstairs to the kitchen / Clutching her handkerchief / Quietly turning the backdoor key / Stepping outside, she is free.” Wenn es ans Eingemachte geht, wissen Popsongs oft mehr.

Record Collection N° 120: T. Rex „Bolan Boogie” (Fly Records, Donauland-Club-Sonderauflage, 1972)

Ein Best-Of der ersten Erfolgsjahre von Marc Bolan und T. Rex.

Das war eine der ersten Langspielplatten in meiner Plattensammlung. Weil meine Mutter Mitglied im Donauland-Buchclub war, kam vier Mal im Jahr der neue Donauland-Katalog ins Haus, und ich durfte mir Bücher und Schallplatten bestellen. Mitunter gab es bei Donauland von aktuellen Hitalben sogar eigene Club-Sonderauflagen. Auch von Bolan Boogie, mit eigener Plattenhülle, auf der der T. Rex-Sänger, Gitarrist, Songschreiber Marc Bolan auf der Vorderseite in glamouröser Rock’n’Roller-Pose zu sehen ist, die englische Originalausgabe hatte dort nur einen bunten Schriftzug, das klasse Coverfoto der Donauland-Platte auf die Rückseite verbannt.

Bolan Boogie war eine der erfolgreichsten LPs von T. Rex und ihr letztes Nummer-1-Album in Großbritannien. Erschienen ist es 1972 zwischen dem ersten gleichnamigen Album, für das Marc Bolan die Band neu formierte, und ihrer besten LP Electric Warrior. Es dokumentiert den Wandel Marc Bolans vom verträumten Hippie-Folk-Barden zum elektrisierten, elektrisierenden Rock’n’Roller und Glamrocker.

Nachdem Marc Bolan als cooler Feschak Mitte der 1960er Jahre in der Londoner Mod-Szene auftauchte wie auch David Bowie, gründete er 1967, im Jahr des Sommers der Liebe, die Band Tyrannosaurus Rex, mit dem Perkussions- und Bongos-Spieler Steve Peregrin Took, der sich nach einem Hobbit aus Tolkiens Herr der Ringe nannte. Sie spielten verträumten, zart akustischen, psychedelisch angehauchten Hippie-Folk-Rock zu dem Marc Bolan, der Sänger und Gitarrist blumige Lyrics aus dem Herr-der-Ringe-Text-Buch sang. Nachdem sich Bolan und Took trennten, verkürzte Marc den Bandnamen auf T. Rex, wechselte zur elektrischen Gitarre und Rock’n’Roll-Beats, und er formierte die Band neu mit dem Perkussionisten Mickey Finn, dem Bassisten Steve Currie und dem Schlagzeuger Bill Legend. Mit dem  Produzenten Tony Visconti (David Bowie) begann Bolan an seinem neuen lauten Glamrock-Sound zu feilen.

Aus der Tyrannosaurus-Rex-Phase stammen auf Bolan Boogie mit She Was Born To Be My Unicorn, Dove, Fist Heart Mighty Dawn Heart und By The Light Of A Magical Moon vier Songs, deren versponnene weggedriftete Träumereien mich als Teenager faszinierten (obwohl ich nie Der Herr der Ringe gelesen habe) und an der Schwelle der Transformation vom Elfen-Feen-und-Hippies-Sound von Tyrannosaurus Rex zum krachigen, sexy-glamourösen, Stromgitarren-Boogie von T. Rex stehen.  

Der Albumtitel Bolan Boogie ist perfekt, denn es geht um Marc Bolans neuen Stromgitarren-Boogie-Rock. Der Wendepunkt für T. Rex und zugleich der Startschuss für die Glamrock-Welle war die sich in den Himmel hoch schwingende Single Ride A White Swan, die es auf den zweiten Platz der britischen Pop-Charts schaffte, eine der besten Aufnahmen von T. Rex überhaupt und hier gleich mit der Single-B-Seite Summertime Blues (eine Coverversion des Rock’n’Roll-Klassikers von Eddie Cochran) vertreten. Dazu kommen die weiteren Mega-Hits der ersten T. Rex-Jahre, der Weckruf von Get It On (mit der B-Seiten-Mini-Suite Raw Ramp), der superfetzige, dreckige Stromgitarren-Groover Jewel und das hymnische Hot Love (mit den B-Seiten The King Of The Mountain Cometh und Woodland Rock). Und das hinreißende Beltane Walk, eine Kostprobe vom ersten selbstbetitelten T. Rex-Album.

Viel später habe ich mir auch die britische Version von Bolan Boogie mit dem anderen Cover gekauft, weil diese Platte nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat, ein faszinierendes Porträt des Pop-Künstlers Marc Bolan ist, dem ersten großen englischen Popstar seit den Beatles, und der aufwühlende Soundtrack teenagerhaften Aufbegehrens und Andersseinseinwollens in den frühen 1970er Jahren.

T. Rex Bolan Boogie, Fly Records, Donauland-Club-Sonderauflage, 1972

© Bolan Boogie Pics shot by Klaus Winninger

Record Collection N° 118: Elvis Costello And The Imposters “Momofuku” (Lost Highway, 2008)

Als Elvis Costellos Muse neu entflammte und sein Zorn frisch loderte.

Erst wollte Elvis Costello nie wieder ein Studioalbum aufnehmen, weil er wegen des desolaten Zustands der Musikindustrie und der MP3-Internet-Piraterie darin keinen Sinn mehr darin. Dann aber ist dieses nach dem Erfinder von Instant-Nudeln benannte Album aus dem Nichts erschienen. Allerdings nur als Doppel-LP auf Vinyl samt beigepacktem Code für einen digitalen MP3-Download, binnen weniger Tage eingespielt.

Später gab es Momofuku doch auch als normale CD. Ursprünglich hatte Costello ja nur auf einigen Songs des nächsten Soloalbums von Jenny Lewis, der Sängerin von Rilo Kiley, mitsingen wollen. Da aber schon die Musiker seiner Band mit im Studio waren, und die kreativen Funken nur so flogen, ergab sich kurzerhand die Gelegenheit, gleich auch eigene neue Songs mit den Imposters aufzunehmen. Verstärkt von Jenny Lewis und ihrem Lebenspartner, dem Singer/Songwriter Jonathan Rice, Dave Sher von den Beachwood Sparks und David Hildalgo von Los Lobos.

Costellos Zorn über die Schwierigkeiten der Plattenindustrie, Musik noch richtig vermarkten und verkaufen zu können, war nur eine Seite der Medaille. Nicht weniger nagte wohl der Frust in ihm, dass er im Gegensatz zum zeitgleich gestarteten Paul Weller daheim in England in der Musikszene keine große Rolle mehr spielte, und er mit seinen Platten die englischen Charts schon lange nicht mehr von innen gesehen hatte. Obwohl seine letzten Alben wie When I Was Cruel (2002), North (2003) oder The Delivery Man (2004) richtig gut waren.

Elvis Costellos Frust und Groll  befeuerte die Songs auf Momofuku wie nichts Zweites. So nahe dran an seinen frühen Platten als Zornbinkerl der New Wave wie This Year’s Model (1978) war er schon lange nicht mehr gewesen, jedenfalls nicht mehr seit seinen letzten Alben mit den Attractions, also seit Blood & Chocolate (1986) und Brutal Youth (1994). Allerdings klingen die Imposters, die gegenüber den ihn lange Jahre begleitenden Attractions nur am Bass mit Davey Faragher statt Bruce Thomas, mit dem Costello auf ewig zerstritten ist, verändert aufgestellt sind, amerikanischer. Das mag zum einen am souligen, funky Bass von Faragher liegen, aber auch an Costellos amerikanischem Exil und seiner heute noch stärker ausgeprägten Vorliebe für traditionelle amerikanische Musik. Und sicher auch an den anderen an Momofuku Beteiligten: die Country-Music-Größen Loretta Lynn und Rosanne Cash als Co-Autorinnen von Songs und der Supergroup-Chor mit Jenny Lewis, Jonathan Rice, Dave Sher und Davey Faragher.

Der Ausbruch an kreativer Energie im Studio, die spontane Spielfreude der Musiker, sind von Anfang bis Ende spürbar. Alle zwölf Songs sind von feiner Costello-Qualität: Allein schon das furiose Auftakttrio mit No Hiding Place, das die Internetkultur attackiert, die Krimi-Saga American Gangster Time und der famose New-Wave-Rocker Turpentine hauen einen um.

Stella Hurts ist ein weiterer New-Wave-Kracher, aber auch verspielte Songs wie Harry Worth oder Flutter & Wow, in dem Costello Liebesunglück mit den unregelmäßigen Umdrehungen eines Plattenspielermotors vergleicht, kommen gut. Genauso die gefühligen Balladen wie My Three Sons – voll Vaterliebe und Vaterstolz – und der Countryschmachtfetzen Pardon Me, Madam, My Name Is Eve. Mit dem punkigen Rocker Go Away schließt sich der Kreis.

Ohne großes Konzept, ist Momofuku eine famose Platte, auf der Elvis Costello und die Imposters rein gar nichts falsch machen.

Elvis Costello  And The Imposters Momofuku, Lost Highway, 2008

(Veröffentlicht in: now! N° 69, Juni 2008, komplett überarbeitet im September 2020)

B-logbook: 09.09.2020: Popincourt’s new album “A Deep Sense Of Happiness” is here

And, what a pleasant surprise, this writer’s name is mentioned in Popincourt’s “Thanks to” list.

Popincourt’s new album A Deep Sense Of Happiness arrived here on what seems to be the last days of summer. It’s the ideal soundtrack for this. Listened to it several times already, it‘s playing for another time, while I‘m typing this, and I‘m sure it‘s absolutely marvelous, I‘m feeling it.

From the beautiful album design and cover artwork, by French Boutik’s Serge Hoffman, to each and every song A Deep Sense Of Happiness is a great piece of art and a worthy successor to Popincourt’s fabulous debut album A New Dimension To Modern Love.

And then, while listening and reading the lyrics, I discovered Olivier Popincourt mentioned my name in his “Thanks to“ list. What a pleasant surprise. This is very special for me. So thanks for that, Olivier. More about A Deep Sense Of Happiness soon.

Popincourt A Deep Sense Of Happiness, Milano Records, 2020

B-logbook: 08.09.2020: Als Hot Chocolate in eine Stadt in der Nähe kamen

Hot Chocolate live in Enns – mein bestes und einziges Parkplatzkonzert ever.

Das genaue Jahr weiß ich nicht mehr, aber es war in den 1970er Jahren in der Gymnasiumoberstufe, Richtung Matura. Warum auch immer hatten es die englischen Hitparadenstürmer Hot Chocolate, mit dem charismatischen Sänger und Hauptsongschreiber Errol Brown und Bassist Tony Wilson, in eine Konzerthalle in der kleinen oberösterreichischen Stadt Enns geschafft, einer der ältesten Städte Österreichs. Ich lebte damals mit meinen Eltern in St. Valentin, einer noch kleineren, verschlafenen Marktgemeinde im niederösterreichisch-oberösterreichischen Grenzgebiet. Hot Chocolate zum Greifen nahe, das war eine Sensation. Ihr Konzert hätte ich gerne gesehen, aber aus Gründen, die ich nicht mehr erinnere,  schafften es mein Freund Norbert und ich nur auf den Parkplatz vor der Konzerthalle, wo wir auf seinen Cousin Edgar warteten, der Schlagzeuger in unserer Band war und ein Ticket für Hot Chocolate hatte.

Ob Hot Chocolate die vielleicht beste Black Music Band Englands waren, und ihr einzigartiger Sound so was wie funky Soul war, so ein Diskurs war mir damals nicht wichtig. Was zählte war, dass jeder ihrer vielen Hits, die sie in den 1970 Jahren hatten, voll groovy aus dem Radio pumpte. Heiß und prickelnd wie nur was, infektiös wie Grippe und Corona zusammen, und das bis heute. 

Die Musik von Hot Chocolate wummerte aus der Halle, wo die Band mit voll aufgedrehten Lautstärkenreglern ihre famosen Hits spielte. Die Beats und Bässe hämmerten, die funky Hooklines wie vom Winde verweht. Every 1‘s A Winner, Emma, Heaven Is In The Back Seat Of My Cadillac, So You Win Again, Brother Louie (nicht zu verwechseln mit dem 1980er Hit von Modern Talking) oder You Sexy Thing. „I believe in miracles / Where are you from / You sexy thing / You sexy thang you / I believe in miracles / Since you came along, you sexy thing“ – mein bestes und einziges Parkplatzkonzert ever.

Hot Chocolate Their 8 RAK Albums 1974-1983, EMI, 2011

B-logbook: 07.09.2020: Wie ich im Kino beim Woodstock-Festival eingeschlafen bin

Das Woodstock-Open-Air-Festival, die legendären 3 Days of Peace & Music, vor einer geschätzten halben Million Menschen im Publikum, und Rockmusikstars wie Jimi Hendrix, The Who, Janis Joplin, Creedence Clearwater Revival, The Grateful Dead, Jefferson Airplane, Santana, Canned Head, Joe Cocker, Joan Baez, Crosby, Stills, Nash & Young oder Sly & The Family Stone, fand vom 15. bis 18. August 1969 in Bethel, New York statt. Nach mehreren wenig geglückten Neuauflagen zu verschiedenen Jubiläen scheiterte ein groß angekündigtes Woodstock-Festival zum 50. Jahrestag im Sommer 2019 schon in der Planungsphase.

Der beim Festival von Michael Wadleigh gedrehte Woodstock-Film, Kinostart 1970 und 1971 mit einem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet, befeuerte den Woodstock-Mythos noch mehr als das Festival selbst – kombiniert mit den Soundtrack-Platten Woodstock: Music From The Original Soundtrack and More (1970, 3 LPs) und Woodstock 2 (1971, Doppel-LP), die in den 1970ern in vielen Plattensammlungen standen, auch in der meinen, aber wegen Punk und New Wave verkaufte ich sie wieder.

Woodstock-Mythos hin oder her, im Stadtkino Enns bin ich jedenfalls eingeschlafen. Ich kann mich noch erinnern, wie in der Mitte des Geschehens die fast zehn Minuten I’m Going Home von Ten Years After und Alvin Lees nicht enden wollende Bluesrockgitarrensoli mich langweilten und einschläferten. Erst bei Hendrix’ Star Spangled Banner schreckte ich wieder hoch.

Weil mein Freund Norbert, der mit im Stadtkino war, und ich nicht gepeilt hatten, dass der Woodstock-Film über drei Stunden lang sein würde, gab es am Ende keinen Retourzug mehr. Ich musste meinen Vater anrufen und ihn bitten, uns mit seinem Citroen vom Ennser Bahnhof abzuholen. Er war nicht gerade amüsiert.

Anders als die beiden Woodstock-Soundtrack-Alben habe ich den fast vier Stunden langen Woodstock Director’s Cut (2011) noch im Regal. Habe ich ihn je in einem durch gesehen? Egal, das Monterey Pop Festival, das erste Hippie-Rock-Festival im Juni 1967, die Blaupause von Woodstock war sowieso besser, der immer wieder mal gern gesehene Monterey-Festival-Film von D.A. Pennebaker auch.

B-logbook: 06.09.2020: Elvis Costello ist ohne die Imposters zurück in der Spur

Elvis Costello wird am 30. Oktober sein neues Album Hey Clockface auf Concord Records veröffentlichen, sein 31. Studioalbum.Costello hat den Nachfolger seines aufwändig produzierten, üppig arrangierten 2018er Albums Look Now, als Solokünstler eingespielt, ohne seine Hausband, die Imposters. Aufgenommen wurde die Platte in Helsinki, Paris und New York und in Los Angeles von Sebastian Krys abgemischt. Hey Clockface firmiert als „An Elvis Costello & Sebastian Krys Production” wie schon das grammy-prämierte Look Now.

Nachdem im Februar 2020 drei Songs in Helsinki im Suomenlinnan Studio aufgenommen wurden, reiste Costello nach Paris für eine Wochenend-Session in den Les Studios Saint Germain. Er erzählt: „Ich sang live vom Studioboden aus. Wir nahmen in zwei Tagen neun Songs auf. Wir sprachen nur wenig. Fast alles, was die Musiker spielten, war eine spontane Antwort auf den Song, den ich sang. Ich träumte davon, eines Tages in Paris auf diese Art Songs aufzunehmen.“ Im Quintett, das mit Costello in Paris spielte, war von den Imposters nur Steve Nieve (Klavier, Orgel, Mellotron, Melodica) dabei, seine musikalische rechte Hand seit den Tagen der Attractions, am Mischpult saß François Delabrière.

Weitere Sessions fanden in New York statt, sie wurden vom Komponisten, Arrangeur  und Trompeter Michael Leonard produziert, in Zusammenarbeit mit den Gitarristen Bill Frisell und Nels Cline. Elvis Costello komplementierte die entstandene Music lyrisch und gesanglich via London auf digitalem Weg. Er wollte, so Costello, dass „die Platte lebendig klingt, egal ob die Songs nun verlangten, laut und zackig gespielt zu werden, oder intim und schön.“

Die emotionale und energetische Bandbreite von Hey Clockface, mehr im Spirit von Costellos Punk und New Wave Krachern, unterscheidet sich deutlich vom bombastischen Power Pop von Look Now. Das verdeutlichen die vier (von vierzehn) bereits vorab veröffentlichten Songs, No Flag, We Are All Cowards Now, Hey Clockface/How Can You Face Me? und Hetty O’Hara Confidential.

Die musikmarktübliche scheibchenweise Veröffentlichung von Alben wie zuletzt auch bei Paul Wellers On Sunset, stillt zwar die Neugierde, sie zerfleddert aber das komplette Album, verunmöglicht und beschädigt womöglich die Magie und den Eindruck, den ein Album machen würde, wenn man sämtliche Songs erst bei der Albumveröffentlichung zum ersten Mal hören könnte. Ich würde bis dahin lieber meine Neugierde zügeln.  

Record Collection N° 115: Popincourt „The Brilliant Missing Link” (Jigsaw Records, 2018)

In 2018 the fab French pop-moderniste artist Olivier Popincourt released this great new single.

The Brilliant Missing Link followed Popincourt’s superb debut album A New Dimension To Modern Love”, released in 2016. It was recorded during the sessions for that album and features Olivier Popincourt (vocals, guitars, Vox Continental organ, synthesizer), Ken Stringfellow (of The Posies fame on bass, backing vocals), Hervé Bouétard (drums).

Popincourt’s new superb, catchy tune is in the same sophisticated pop style as the former album, drawing on influences like Paul Weller (The Jam, The Style Council), Joe Jackson, Roddy Frame, and some other British power-pop, but sounding distinctively original with its unmistakable French pop-moderniste Popincourt flavor.

The Brilliant Missing Link would have been available also as a limited edition 7-inch vinyl single, but I got it on a fine sounding CD. It features the full version of the intriguing jazzy instrumental track Improvisation, which was previously only available as two short snippets on the debut album. Olivier Popincourt wrote on his card: Enjoy! That’s what I do.

Popincourt The Brilliant Missing Link, Jigsaw Records, 2018

B-logbook:02.09.2020: Unter den Zwillingstürmen der Frauenkirche

Bin wieder in München gewesen und verbrachte dort eine angenehme Zeit mit meinen Lieben. Die Zwillingstürme der Frauenkirche bezaubern mich jedes Mal. Auch das Innere der Kirche ist überwältigend schön, mit einer besinnlich-spirituellen Atmosphäre, trotz der rummarschierenden Touristen.

In der Nähe der Frauenkirche habe ich Bücher gekauft, wie jedes Mal, wenn ich in München bin, dieses Mal in der Buchhandlung Hugendubel in der Theatinerstraße, darunter Sally Rooneys vielgepriesenen Debütroman Gespräche mit Freunden, der gerade als Taschenbuch erschienen ist. Auf der anderen Seite des Marienplatzes dann im Beck, dem sogenannten Kaufhaus der Sinne, in der Musikabteilung von den Beatles die Live At The Hollywood Bowl-CD im Wohlfühldigipack gefunden. All you need is love. Und Musik und Literatur. Meine Überlebensreligion.